Gott, Geist oder Zufall?

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Hallo Paul,

Meister Zumzum hält Dein Buch
im Denkforum nach wie vor für
sehr erwähnenswert. Ich suche
mal wieder nach exzellenten
Zitaten bei Dir.

Wie geht\'s sonst so?

Fragt
mit besten Wünschen
Reinhard
(von Normann, Autor von
Das treffende Fremdwort
u.a. Nachschlagewerke)



rnormann@t-online.de
, , 28-05-2009 08:58:20Uhr
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Lieber Waldemar,

der Hinweis auf Max Planck hat nichts mit Autoritätengläubigkeit zu tun, da ich die Argumentation von Planck, Heisenberg, Schrödinger, Einstein, Jantsch, Dürr, Capra, Davies, Bohm, Wheeler usw. sehr genau geprüft habe. Deine Argumentation erscheint mir hingegen etwas dürftig, denn auf der einen Seite sagst du, dass Leben im Universum überall entstehen könne, was aber nach deiner Auffassung offensichtlich darauf hinausläuft, dass die zum „Leben“ notwendige Intelligenz jedes Mal vom Himmel fällt. Da erscheint mir die Argumentation von Jantsch, um nur ein Beispiel zu nennen, wesentlich substantieller:


„Die Selbstorganisation von Information ist ein Aspekt der Selbstorganisation des Lebens, und die Gestalten, die sie hervorbringt, sind Gestalten des Lebens. Sie sind wie die Gestalten anderer autopoietischer Systemdynamik. Sie bilden eine eigene Welt der symbolischen Entsprechung zur Realität und können sich von dieser Realität ablösen. Damit können sie die Realität verändern und neu gestalten ... Man pflegte dies so auszudrücken: Der Geist beherrscht die Materie. Dies würde dann aber voraussetzen, dass das Materie/Energie-System, dem dieser Geist angehört - nämlich das Gehirn -, davon ausgeschlossen bleibt. Der Geist des menschlichen Organismus beherrscht einen Teil der toten und gewisse Aspekte der lebenden Welt, aber der Geist eines Ökosystems beherrscht nicht dessen Mitglieder - ihre Dynamik ist sein Geist, wie die koordinierte Dynamik der Ameisen sozusagen der Geist des Ameisenhaufens ist. Beherrschung ist ein dualistischer Begriff: Er gibt immer einen Beherrscher und eine Beherrschten. Geist aber ist ein nicht-dualistischer Begriff, der nicht trennbar ist von der Materie, in deren Dynamik er sich ausdrückt.
Geist erscheint in dieser Sicht mithin als die Selbstorganisations-Dynamik schlechthin. Er tritt überall auf, wo es dissipative Selbstorganisation gibt, vor alles also in sämtlichen Bereichen und auf sämtlichen Ebenen des Lebens, in seinen Mikro- wie in seinen Maktrosystemen. Wir müssen freilich zumindest zwischen metabolischen und neuralem Geist unterscheiden und werden den letzteren dann nach seiner Dysnamik noch weiter unterteilen ...." ERICH JANTSCH


Ist natürlich nur ein kleiner Auszug, aber wie sonst willst du dir die Selbstorganisationsdynamik des gesamten Ökosystems auf der Erde erklären? Mit Zufall oder göttlichem Eingreifen???

Viele Grüße

Paul


paulmooser@derspekulant.info
München, , 11-05-2009 17:30:46Uhr
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Lieber Paul,

es nutzt nichts zur Aufklärung der Dinge eine "aristotelische Diskussionsweise" zu gebrauchen, indem Du Dich auf Autoritäten ("auctoritates") wie zB Max Planck berufst - denn all unser Wissen und Dafürhalten ist prinzipiell "fallibel" = irrbar, (das gilt auch für "Plancks"), und daher ist das Einzige, das zählen kann bezgl. Nutzbarkeit, dasjenige, welches weiterführend ist in Wissen und Usability, und diesbezüglich kommt man mit dem Dauerlauf in alten Gedanken-Hamsterrädern leider nicht weiter.

Heutige Hirnforschung, Konstruktivismus, Neurolinguistik, Perzeptionspsychologie, Bioinformatik, Kybernetik, u.a. haben in konstruktiver Interferenz gerade mit der Evolutionstheorie bereits längst ein völlig neues und konsistentes Weltbild geschaffen, das in vielen Teilen glattweg konträr und kontra-intuitiv zum bisherigen sehr viele alte und vermeintlich unlösbare Fragen beantwortet oder gar als naiven Unsinn entlarvt hat.
Dazu gehört - für Gernegläubige und Magiesüchtige = "leider" - auch die Frage nach dem "menschlichen Geist".

Die sozialpsychologische Internalisierung dieses neu erlangten Wissens wird lange dauern, denn die Widerstände dagegen sind groß, und Denk- und Welterlebens-Gewohnheiten verändern sich auch nicht über Nacht.
Zudem repräsentiert dieses neue Wissen eine erneute summarische Kränkung der konventionellen Anthropomanie und Anthropozentrik, denn es wurde klar, dass "Mensch" tatsächlich NUR eine gan gewöhnliche Tierart unter allen anderen ist, mit derselben Bedeutung, mit demselben Wert wie alle anderen.
Deutlicher gesagt: "Mensch" unterscheidet sich von Tier und Pflanze in derselben Weise, wie etwa Tauwurm von Regenwurm - und man lernt deshalb auf der Frageschiene "Was haben Tiere/Pflanzen und Menschen gemein?" unendlich viel mehr, als mit der alten Frage "Was ist am Menschen Besonderes?"

Noch anders formuliert - und eigentlich nur das uralte "nosce te ipsum":
Es ist gar nicht die richtige Frage "Wie kam unser Kopf in die Welt?"- sondern "Wie kommt uns "Welt(-erleben)" in unsere Köpfe?"

Wenn wir uns selbst verstehen, dann verstehen wir auch "Welt", denn alle uns erlebbare Welt ist per unserer Erlebensmöglichkeiten (und die sind weitestgehend angeboren) von uns selbst generiert.
Dies ist der schlichte rationale Grund, und gar nicht geheimnisvoll, weshalb "Welt" derart merkwürdig passend auf uns zugeschnitten ist, wie wir es erleben = unser "Geist", unser Erleben, erzeugt uns die Welt, die wir erleben, und eben NICHT:

"Es gibt einen Urgeist, dessen spin-offs wir sind, und der hat Welt und uns erzeugt",

denn dies ist die typische animistisch-magische Umkehrung von (im alten Welterleben)
"Ursache+Wirkung"(*)

(*) in einer Wechselwirkungswelt gibts "Ursache+Wirkung" im konventionell verstandenen Sinn nicht, denn die Prozesseketten der ablaufenden Wechselwirkungen sind nicht-final.

Ich grüße Dich,
waldemar

hammel-kreuzau@t-online.de
kreuzau, , 11-05-2009 11:56:22Uhr
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Nachtrag zu der Diskussion mit Waldemar. Im Forum in der Rubrik "Darwinismus und Zufall" hat die Physikerin Brunhild einen interessanen Artikel von MAX PLANCK eingestellt. Hier ein kurzer Auszug, der meine These untermauert, dass es sehr wohl Naturgesetze unabhängig vom menschlichen Beobacher gibt. PLANCK leitet daraus sogar eine zielgerichtete Entwicklung ab

Hier der Auszug:

"Ein spezielles Beispiel möge das erläutern. Bekanntlich wird ein Lichtstrahl, der in schräger Richtung auf die Oberfläche eines durchsichtigen Körpers, etwa auf eine Wasserfläche trifft, beim Eintritt in den Körper von seiner Richtung abgelenkt. Die Ursache für diese Ablenkung ist der Umstand, daß das Licht sich im Wasser langsamer fortpflanzt als in der Luft. Eine solche Ablenkung oder Brechung findet also auch in der atmosphärischen Luft statt, weil in den tieferen, dichteren Luftschichten das Licht sich langsamer fortpflanzt als in den höheren . Wenn nun ein Lichtstrahl von einem leuchtenden Stern in das Auge des Beobachters gelangt, so wird seine Bahn, wenn der Stern nicht gerade senkrecht im Zenit steht, infolge der verschiedenen Brechungen in den verschiedenen Luftschichten eine mehr oder weniger komplizierte Krümmung aufweisen. Diese Krümmung wird nun durch das folgende einfache Gesetz vollkommen bestimmt: unter sämtlichen Bahnen, die vom Stern in das Auge des Beobachters führen, benutzt das Licht immer gerade diejenige, zu deren Zurücklegung es bei Berücksichtigung der verschiedenen Fortpflanzungsgeschwindigkeiten in den verschiedenen Luftschichten, die kürzeste Zeit braucht. Die Photonen , welche den Lichtstrahl bilden, verhalten sich also wie vernünftige Wesen. Sie wählen sich unter allen möglichen Kurven, die sich ihnen darbieten, stets diejenige aus, die sie am schnellsten zum Ziele führt. ...

In jedem Fall dürfen wir zusammenfassend sagen, daß nach allem, was die exakte Naturwissenschaft lehrt, im gesamten Bereich der Natur, in der wir Menschen auf unserem winzigen Planeten nur eine verschwindend kleine Rolle spielen, eine bestimmte Gesetzlichkeit herrscht, welche unabhängig ist von der Existenz einer denkenden Menschheit, welche aber doch, soweit sie überhaupt von unseren Sinnen erfaßt werden kann, eine Formulierung zuläßt, die einem zweckmäßigen Handeln entspricht. Sie stellt also eine vernünftige Weltordnung dar, der Natur und Menschheit unterworfen sind, deren eigentliches Wesen aber für uns unerkennbar ist und bleibt, da wir nur durch unsere spezifischen Sinnesempfindungen, die wir niemals vollkommen ausschalten können, von ihr Kunde erhalten. Doch berechtigen uns die tatsächlich reichen Erfolge der naturwissenschaftlichen Forschung zu dem Schlusse, daß wir uns durch unablässige Fortsetzung der der Arbeit dem unerreichbaren Ziele doch wenigstens fortwährend annähern, und stärken uns in der Hoffnung auf eine stetig fortschreitende Vertiefung unserer Einblicke in das Walten der über die Natur regierenden allmächtigen Vernunft.“
MAX PLANCK

Viele Grüße

Paul

paulmooser@derspekulant.info
München, , 08-05-2009 19:19:48Uhr
 
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